Gefälschte Nachrichten

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Zusammenfassung
#AbwehrzentrumGegenFakeNews. Wer darf den Wahrheitsgehalt von Nachrichten prüfen? Wer darf selektieren, was zum Gegenstand der Prüfung wird? Staatliche Institutionen (ein Abwehrzentrum gegen Desinformation) oder private, selbsterklärt 'unparteiische' Firmen (Correctiv)? Die Staatsmacht, einzelne Menschen oder in ihrer Anzahl begrenzte Menschengruppen haben immer spezifische Interessen und sei es das eigene Weltbild, die Einfluss auf die Bewertung haben. Die maximale Unparteilichkeit kann nur eine zufällig ausgewählte Vielzahl untereinander und von Dritten unabhängiger 'Bewerter' liefern.

Fake News und ihre Rolle bei der Meinungsbildung

Die Befürchtung, dass Desinformation die öffentliche Meinung beeinflussen und damit eine Gefahr für die Demokratie darstellen können, ist sicher nicht unberechtigt. Unser politisches System (Demokratie 'westlicher' Prägung) wird im Idealfall von den Staatsbürgern getragen, die sich eine eigene, selbstbestimmte Meinung bilden. Optimal wäre unabhängig voneinander, unbeeinflusst von Dritten. In der Realität bilden sich unsere Staatsbürger ihre Meinung nur bedingt unabhängig, weil sie der öffentlichen Meinung nicht entfliehen können. Fatal also, wenn die öffentliche Meinung manipuliert 'würde'.

1990 hat die sogenannte Brutkastenlüge (sie bezeichnet die von einer PR-Agentur inszenierte Behauptung, irakische Soldaten hätten bei der Invasion Kuwaits im Jahr 1990 kuwaitische Säuglinge in einem Krankenhaus in Kuwait-Stadt getötet) [1], die öffentliche Meinung und den Kongress in den USA dahingehend beeinflusst, dass sie den ersten Irakkrieg von George Bush senior unterstützte. Die Folge der Desinformation war deshalb so weitreichend, weil sie in allen Medien große Verbreitung fand.

Die aktuelle Diskussion um Falschmeldungen, die angeblich wesentlich dazu beigetragen hätten Donald Trump zum Sieger der Präsidentschaftswahlen in den USA zu küren [2], die anschließend auch nach Deutschland herüberschwappte [3], war wohl nur heiße Luft. Die Wähler informierten sich vornehmlich (noch) aus dem Fernsehen, nicht über Facebook [4]. Wie eine Untersuchung von Leonid Bershidsky im Auftrag des US-amerikanischen Medienunternehmens Bloomberg zeigt [5], spielten Falschmeldungen auf Facebook wie 'Papst Franziskus unterstützt Trump' und 'Hillary Clinton hat eine Beziehung zum PizzaGate-Pornoring' nur eine untergeordnete, zu vernachlässigende Rolle. Die Nutzer hatten offenbar den Quellen und dem Verbreitungsmedium 'Facebook' kein großes Vertrauen entgegengebracht.

Der Grad des Schadens, den Falschmeldungen anrichten können, hängt also von der Art der Quelle und den Verbreitungsmedien ab.

Die Demokratie vor Desinformationen (wie) schützen?

Das Anliegen, unsere Demokratie vor potentiellen Gefahren zu schützen ist sicher prinzipiell mehrheitsfähig. In Bezug auf Desinformationen gibt es dazu aktuell zwei Ansätze:

  1. Desinformationen werden von einer staatlichen Einrichtung identifiziert, also solche gekennzeichnet und in ihrer Verbreitung eingeschränkt. Der Innenminister schlug Ende 2016 vor, ein Abwehrzentrum gegen Desinformation einzurichten [6]. Laut Spiegelbericht soll es beim Bundespresseamt, unter Leitung des Regierungssprechers Staatssekretär Steffen Seibert angesiedelt sein. Auf EU-Ebene gibt es seit September 2015 die East StratCom Task Force, die wöchentlich den Disinformation Review zu europäischen Themen herausgibt, wobei der Fokus auf Kreml-nahe Medien liegt [7].
  2. Private Faktenchecker-Organisationen werden beauftragt, potentielle Falschnachrichten in den sozialen Medien auf sachliche Richtigkeit zu recherchieren. Diesen Ansatz fährt Facebook mit dem gemeinnützigen Recherche-Büro 'Correctiv' [8].

Kritik an beiden Methoden gibt es von verschiedener Seite, insbesondere den alternativen Online-Medien [9,10,11]. Sie sind auch in den Augen von iKANTOS-News keine Lösung, um die Gefahr der Meinungsmanipulation im digitalen Zeitalter deutlich zu reduzieren. Zu viele Fragen bleiben offen:

  • Die staatlichen und/oder privaten Faktenchecker können nicht grundsätzlich alle Medienbeiträge prüfen! Wer wählt nach welchen Gesichtspunkten aus, was geprüft wird? Wie oben erwähnt, haben Falschnachrichten, die über das Fernsehen verbreitet werden, eine viel größere Bedeutung für die Meinungsfindung als millionenfach 'ge-like-te' Facebook-Postings. Werden Fernsehbeiträge der öffentlich-rechtlichen Anstalten auch untersucht?
  • Welche Bedeutung haben Halbwahrheiten und tendenziöse Berichterstattungen in den etablierten, aber auch alternativen Medien für die Meinungsmanipulation im Vergleich zu Falschnachrichten? Ist es für den aufgeklärten Bürger nicht viel einfacher, selbst offensichtliche Falschnachrichten zu entlarven, während Halbwahrheiten und die Wiederholung der immer gleichen Argumente bei gleichzeitiger Unterdrückung der Gegenperspektiven viel subtiler und nachhaltiger die Projektion der Realität verzerren?
  • Wie unabhängig/unparteilich können wahrheitsprüfende Rechercheure sein? Jeder einzelne Rechercheur/Journalist hat seine eigene Weltsicht und er hat einen Arbeitgeber, dem Dank finanzieller Zuwendung verpflichtet ist. Müssten nicht mehrere Rechercheure unterschiedlicher Arbeitgeber voneinander unabhängig den gleichen Medienbeitrag prüfen? Wie vieler Rechercheure bedarf es, um ein möglichst objektives Bild vom Wahrheitsgehalt zu zeichnen? Wie wird die Einschätzung der einzelnen Rechercheure gewichtet, wenn sie unterschiedlicher Meinung sind? Gleichermaßen, oder bekommt derjenige das größte Gewicht in der Abstimmung, der über die höchste Position in der Hierarchie verfügt, eventuell auch derjenige mit der meisten Erfahrung, mit den besten Referenzen, oder der mit der besten Ausbildung?
  • Ob die Faktenchecker im Konkreten parteilich agieren, wollen wir von iKANTOS-News nicht bewerten. Können wir aus eben genannten Gründen auch nicht. Wir halten uns da komplett raus!

Schwierige Fragen, die von Einzelpersonen prinzipiell nicht entschieden werden können. Der Ansatz von iKANTOS-News ist hier der, möglichst alle Medienbeiträge von einer (sehr) großen Anzahl voneinander unabhängiger Bewerter, deren einzelner Input durch den gesamten Nutzerpool gewichtet wird. Eine Art Schwarmintelligenz sozusagen, bei der Eintrag des Einzelnen nur einen minimalen Beitrag zum gemittelten Gesamtergebnis liefert. Dazu sollten ebenfalls unparteiische Textanalysealgorithmen zu Einsatz kommen, die im Gegensatz zu Menschen keine Weltsicht oder eigene Interessen mitbringen.

Statt Desinformationen abwehren lebendige Demokratie fördern

Erklärt man den Bürger nicht auch in einer gewissen Weise als politisch unmündig, wenn man ihn vor Desinformationen beschützen will?

In unserer Verfassung (Art 5 GG) ist das Recht auf Meinungs- und Informationsfreiheit verankert, warum nicht das Engagement der Bürger für Informationsvielfalt fördern, statt die Meinungsäußerung zu brandmarken?

Statt eines Abwehrzentrums für Desinformation könnte man ja auch ein Aktivitätszentrum für Informationsvielfalt gründen, welches die Mechanismen der Selektion im Nachrichtenfluss untersucht, tendenzielle Berichterstattung unattraktiv macht und das Interesse der Bürger an einem politischen Diskurs auf der Basis einer ausgewogenen Meinungsvielfalt fördert. Der aufgeklärte Staatsbürger wird jegliche Berichterstattung noch kritischer hinterfragen, offensichtliche FakeNews werden eher als Unterhaltung beschmunzelt als ernst genommen werden.

Die Bewertungsmethoden von iKANTOS-News für journalistische Nachrichtenqualität könnten dann als Gradmesser für den Erfolg der Arbeit des Aktivitätszentrums für Informationsvielfalt dienen.

Dies nur ein Vorschlag unsererseits ...

Quellen

[1] Die Brutkastenlüge.
https://de.wikipedia.org/wiki/Brutkastenlüge
[2] BuzzFeedNews: Wie Falschnachrichten zur Präsidentschaftswahl 2016 auf Facebook echte Nachrichten in der Aufmerksamkeit überholen.
https://www.buzzfeed.com/craigsilverman/viral-fake-election-news-outperformed-real-news-on-facebook
[3] Zeit Online, Christoph Herwartz, 23.11.2016: Merkel startet den Kampf gegen gefälschte Nachrichten.
http://www.zeit.de/politik/deutschland/2016-11/bundestag-angela-merkel-regierungserklaerung-fake-news
[4] Zeit Online, Götz Hamann, 27.11.2016: Nicht Fake News auf Facebook haben die Wahl entschieden.
http://www.zeit.de/politik/ausland/2016-11/us-wahlkampf-donald-trump-facebook-fake-news-bundestagswahlkampf
[5] BloombergView, Leonid Bershidsky, 23.01.2017: The Numbers Are In: Fake News Didn't Work.
https://www.bloomberg.com/view/articles/2017-01-23/the-numbers-are-in-fake-news-didn-t-work
[6] Spiegel, 23.12.2016
http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/fake-news-bundesinnenministerium-will-abwehrzentrum-einrichten-a-1127174.html
[7] Spiegel, Markus Becker, 30.10.2015: Geld für Medien: Europa tritt gegen Putins Propaganda an
http://www.spiegel.de/politik/ausland/russland-europaeische-union-tritt-gegen-putins-propaganda-an-a-1060182.html
[8] Correctiv - Recherchen für die Gesellschaft
http://correctiv.org
[9] Welt.de, Henryk M. Broder, 23.11.2016: Bekommen wir jetzt ein Wahrheitsministerium?
https://www.welt.de/debatte/kommentare/article159693376/Bekommen-wir-jetzt-ein-Wahrheitsministerium.html
[10] RT Deutsch, Reza Abadi, 20.01.2017: 451° - Correctiv - Die Facebook-Polizei im Check
https://www.youtube.com/watch?v=BfvK2yQoSN8
[11] Tichys Einblick, Ansgar Neuhof, 03.02.2017: Ziemlich schwierige Gemengelage: CORRECTIV – Von Eigennutz und Gemeinnutz
http://www.tichyseinblick.de/gastbeitrag/correctiv-von-eigennutz-und-gemeinnutz/

Weiterführende Links

1
East StratCom Task Force – Wikipedia

2
EU Disinformation Review

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