Das manipulierte FakeFake-FakeFakeFake Video von Jan Böhmermann

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Das manipulierte FakeFake-FakeFakeFake Video von Jan Böhmermann

Das manipulierte FakeFake-FakeFakeFake Video von Jan Böhmermann

Zusammenfassung
#Varoufake. Anhand der Satirefälschung eines Videos von einem Konferenzauftritt des neuen griechischen Finanzministers aus dem Jahre 2013 wird das Grundvertrauen in die Verwendung von Bildmaterial als Beweis für die Richtigkeit von Aussagen ad absurdum geführt. Gibt es eine Möglichkeit, die Vertrauenswürdigkeit von Bildmaterial mit hoher 'Objektivität' zu ermitteln und dem Zuschauer/Leser unkompliziert zur Verfügung zu stellen? Wir von iKANTOS sagen ja. Ein Koeffizient der Vertrauenswürdigkeit wird als Tag (dt. Anhänger) zum jeweiligen Foto/Video mit angezeigt. Der Koeffizient wird über gewichtete Nutzerbewertungen in einem intelligenten Netzwerk mit hoher Unabhängigkeit und Manipulationsresistenz ermittelt. Der Artikel beschreibt, wie das funktionieren könnte.

Corpos delicti – oder Tatort des Vertrauensverlustes

Günther Jauch zeigte in seiner gleichnamigen Polit-Talkshow vom Sonntag, den 16.03.2015, einen Videoausschnitt eines Konferenzbeitrages von Herrn Varoufakis aus dem Jahre 2013, bei dem dieser als Protestgeste demonstrativ den Mittelfinger seiner rechten Hand in die Höhe reckt. Varoufakis, aktuell Finanzminister in Griechenland, sagte, der 'Stinkefinger' sei eine Fälschung. Wenige Tage später trat Jan Böhmermann, ein Moderator des ZDF mit eigenem Sendungsformat an die Öffentlichkeit und behauptete, er und sein Team hätten das Video gefälscht. Es sei ein 'Fake'. Es kamen Anschuldigungen auf, dass die Fälschung eine Fälschung sei. Worauf Jan Böhmermann noch einmal Stellung bezog:
"Die Behauptung, dass das Video von uns ein manipulierter FakeFake-FakeFakeFake sei, ist eine Lüge."

Einen Tag später bestätigte das ZDF, dass die Behauptung von Herrn Böhmermann Satire sei, und die Fälschung der Fälschung gar keine ist, weil nichts gefälscht wurde.

Verwirrend, nicht wahr?

Uns geht es hier nicht um die unsinnige Thematisierung des in die Luft gestreckten Mittelfingers von Herrn Varoufakis, bei dem ein absoluter Nebenschauplatz zum Medienhype hochstilisiert wurde, sondern um das, was wir den Medien noch glauben können oder nicht!

Unabhängiges Gütesiegel – die Vertrauenswürdigkeit

Texte sind sehr anfällig für Manipulationen. Gerade deshalb werden im Journalismus Fotos und Videos oft gern als Beweis für die Richtigkeit von Sachverhalten verwendet. Jan Böhmermann hat mit seiner Satire gezeigt, wie einfach es ist, ein Video zu fälschen. Wir müssen uns also davon verabschieden, Bildmaterial per se zu vertrauen. Welche Möglichkeiten aber gibt es, den Wahrheitsgehalt von Fotos in den Medien zu überprüfen? Gibt es sie überhaupt?
Ein Vertrauenskoeffizient - man könnte ihn Θ (Theta) nennen - wäre eine gute Sache. Zum Beispiel könnte man Θ in Prozent angeben. 5% Vertrauenswürdigkeit sind miserabel, 89% Vertrauenswürdigkeit sind sehr hoch, 100% werden nie erreicht werden, da es keine absolute Wahrheit gibt.

Sicher eine sinnvolle Sache. Aber wie wird er ermittelt?

Das erledigt die Nutzergemeinschaft im Internet. Die Crowd. Es gibt eine zentrale, unabhängige Bewertungsplattform, zum Beispiel iKANTOS, dort können die Nutzer die Vertrauenswürdigkeit bewerten. Jeder Nutzer benennt einen Wert zwischen 1 und 100, das Endergebnis ist nicht der einfache Mittelwert - die aufaddierten Vertrauenswürdigkeitswerte geteilt durch die Anzahl der Nutzer - sondern der sogenannte 'gewichtete Mittelwert'. Bei diesem gehen die einzenen Vertrauenswerte unterschiedlich stark in die Summe ein: je höher die Vertrauenswürdigkeit des jeweiligen Nutzers selbst, desto stärker ist das Gewicht seiner Bewertung. Man kann sich das folgendermaßen vorstellen:

Auf einer Fläche liegen die einzelnen Werte, die die Nutzer benannt haben. Irgendwo in der Mitte, zwischen den einzelnen Werten liegt der Mittelwert. Seine genaue Position wird davon bestimmt, mit welcher Kraft die einzelnen Nutzer den Mittelwert zu sich ziehen. Hat z.B. ein Nutzer einen Wert von 80% abgegeben und ist seine Vertrauenswürdigkeit sehr hoch, während die der anderen sehr niedrig ist, so zieht es den Mittelwert sehr stark zu 80%. Er wird in unmittelbarer Nähe liegen.

Zwei wichtige Voraussetzungen, dass die Methode funktioniert, sind erforderlich: Erstens müssen die Bewertungen unabhängig voneinander erfolgen. Wenn sie alle voneinander abschauen, so wird das Ergebnis tendenziös verfälscht. Zweitens müssen augenscheinliche Ausreißer, zB. Bewertungen von 120% oder -10% von der Mittelwertberechnung ausgeschlossen werden.

Die Vertrauenswürdigkeit der einzelnen Nutzer, wir nennen sie die 'Reputation', müssen sich diese vorab 'erarbeitet' haben. Nutzer bewerten nicht nur die Vertrauenswürdigkeit des konkreten Bildmaterials, sondern auch die Sachkompetenz, mit der andere Nutzer Bewertungen abgegeben haben. Die Nutzer-Nutzer-Bewertungen wiederum werden von intelligenten Algorithmen auf mögliche Manipulationen hin überwacht. Jeglicher Manipulationsverdacht reduziert die mühsam erarbeite Reputation eines Nutzers. Er wird sich also hüten, auf diese Weise den Ruf zu zerstören. Die Algorithmen arbeiten auf der Basis 'Künstlicher Neuronaler Netzwerke', sie sind also lernfähig und passen sich dem geänderten Verhalten von 'unehrlichen' Nutzern an, um diese zu entlarven. Natürlich wird man Manipulationen nicht vollständig unterdrücken können, jedoch weitestgehend.

Die Frage, die verbleibt, ist, auf Grund welcher Kriterien bewertet ein Nutzer die Vertrauenswürdigkeit eines Fotos/Videos? Nun, möglicherweise war er selbst anwesend und ist Zeuge des Sachverhaltes. Unter Umständen kennt er Hintergründe, oder entdeckt logische Widersprüche im Bild selbst. Wenn es eine Fälschung ist, so gibt es unter Umständen ein Original, oder auch eine Zweitaufnahme aus unterschiedlicher Perspektive. Es gibt also zahlreiche Möglichkeiten. Die Nutzer der sozialen Netzwerke haben in der Vergangenheit auf sehr deutliche Weise demonstriert, dass sie über entsprechenden Sachverstand verfügen [1,2,3].

Die Konsequenz der Einführung einer Vertrauenswürdigkeitsbewertung von Bildmaterial in den Medien wäre, dass kaum eine Verlags- oder Sendeanstalt in den Ruf kommen möchte, vertrauensunwürdiges Material zu verwenden. Es wäre, als würde man die Medien an die Hand nehmen und auf den Pfad des Qualitätsjournalismus zurückführen. Da, wo sie sich eigentlich tummeln sollten!

[1] BUK Raketensystem (20.07.2014)
http://alles-schallundrauch.blogspot.de/2014/07/video-mit-raketentransporter-ist-eine.html
[2] Gefälschtes Satellitenbild MH17 (17.11.2014)
http://www.spiegel.de/panorama/mh17-gefaelschtes-satellitenbild-geht-um-die-welt-a-1003379.html
[3] 50 russische Panzer in der Ukraine (16.02.2015)
http://meedia.de/2015/02/16/redaktioneller-fehler-zdf-heute-zeigt-falsche-russenpanzer/

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