Warum?

Ausgewogene Perspektivenvielfalt als Grundvoraussetzung selbstbestimmter Meinungsbildung

In der Nachrichtenforschung geht man davon aus, dass der Journalismus mittels Berichterstattung oder Kommentaren die Wirklichkeit immer nur teilweise und subjektiv abbilden kann. Auf Grund dessen, dass die Wahrnehmung selbst subjektiv ist (spezieller Blickwinkel, spezieller Zeitpunkt, gesellschaftlich und sozial geprägte Wertung durch den Beobachter vor dem Abspeichern in seinem Gedächtnis, etc.) ist eine ‚objektive‘ Abbildung eines Geschehnisses prinzipiell nicht möglich! Die Wissenschaftler bezeichnen journalistische Tätigkeiten daher als eine ‚mediale Konstruktion von Wirklichkeit‘.

Wenn wir uns als Medienkonsumenten eine ‚objektives‘ Bild von einem Ereignis machen wollen, so sind wir gut beraten, möglichst viele Berichte und Kommentare dazu aus verschiedenen Quellen zu lesen. Diese These wird von Erkenntnissen aus der Schwarmintelligenzforschung unterstützt: Wenn Mitglieder einer Gruppe alle etwas wissen, aber keiner es ganz genau weiß, dann kann man alle befragen und das Ergebnis mitteln. Sind die einzelnen Meinungen voneinander unabhängig und alle an einem gemeinsamen Ziel interessiert (der Lösung des Problems), so kann das Durchschnittsergebnis der Gruppe wesentlich genauer sein als jede Antwort eines Einzelnen.

Die Meinungsbildung zu einem gesellschaftlichen Ereignis passiert bei uns im Kopf. Oft haben wir nur wenige Quellen aus denen wir Informationen schöpfen können, und oft sind diese Quellen nicht voneinander unabhängig (sie schreiben voneinander ab, oder reden das nach, was andere vor ihnen gesagt haben). Eine selbstbestimmte Meinungs- und Willensbildung kann nur dann zustande kommen, wenn die Vielfalt der Standpunkte über den Tellerrand des Mainstreams hinausgeht und auch unkonventionelle, teilweise taburisierte und unbequeme Veröffentlichungen mit einschließt.

Und da es nun einmal einen Mainstream gibt, der mit seiner Masse an Berichterstattungen und Kommentaren alles andere schwer (sprich zeitaufwändig) zugänglich macht, bedarf es eines Qualitätsfilters, der die Ausgewogenheit der Vielfalt wieder herstellt, indem er ähnliche Beiträge zurückhält und unikale passieren lässt.